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SIEMENS Röhrenmeßgerät
3 K 311b
 
 

SIEMENS Röhrenmeßgerät 3 K 311b, Deutschland, ca. 1949.

Ein selbst in Deutschland nur noch selten zu findendes Objekt: Das Röhrenmeßgerät 3 K 311, erstmals erwähnt in einer Preisliste SIEMENS Meßgeräte für die Nachrichtentechnik, 1949. Im Gegensatz zu den seinerzeit handelsüblichen und weit verbreiteten Röhrenprüfern zeichnet es sich durch eine elektronisch stabiliserte Anodenspannung, zuschaltbare Kathodenwiderstände und die Möglichkeit zur Messung der Steilheit aus.

 
SIEMENS Röhrenmeßgerät 3 K 311b, Fassungen.

Das 3 K 311 Röhrenmeßgerät war ursprünglich dafür gedacht, vornehmlich Poströhren, wie zum Beispiel die Typen Aa, BO und C3e, auszumessen, was sich auch in der Bestückung mit entsprechenden Fassungen zeigt. Poströhren, der Name ist Programm, waren vorallem von SIEMENS für die Deutsche Bundespost gefertigte, spezielle Langlebe-Röhren mit engen Toleranzen, eingesetzt in der Vermittlungs- und Weitverkehrstechnik; Poströhren sind auch in vielen Messgeräten bei SIEMENS und Wandel & Goltermann der 1950er und 1960er Jahre zu finden.

 
SIEMENS Röhrenmeßgerät 3 K 311b, Innenansicht, hinten.

Bild oben zeigt die Innenansicht des Röhrenmeßgeräts: Zu erkennen sind als Geichrichterröhre eine EZ12, die Leistungspentode EL12 für die Stabilisierung der Anodenmessspannung. Oben eine EF12 für die Erzeugung der 8 KHz Gitterspannung und eine EZ11, die die Gleichrichtung der Steuerspannung für die EL12 übernimmt. Gemessen an der sehr strengen Verdrahtung späterer SIEMENS Messgeräte (1960er Jahre) wirkt das 3 K 311b noch etwas prototypisch, allerdings nicht untypisch für die Ende 1940er Jahre: die Materialien und verbauten Teile sind teils noch (Nachkriegs-)Altbestände, Bleche und Stahl (noch nicht wieder) sonderlich hochwertig.

 
SIEMENS Röhrenmeßgerät 3 K 311b, Drucktastenfeld und Rahmen.

Die Beschaltung der zu messenden Röhre wird über Lochkarten und ein System bestehend aus Drucktastern bewerkstelligt; die Lochkarte wird mittels eines Rahmens auf das Feld aus Drucktastern gelegt und stellt nach Verriegelung den röhren-spezifischen Messaufbau her. Die Skalierung umfasst Anoden- und Schrimgitterströme von jeweils 1 mA bis 100 mA, sowie Steilheitsmessungen zwischen 1 mA/V bis 30 mA/ V. 

 
SIEMENS Röhrenmeßgerät 3 K 311b, Fundzustand.

Das 3 K 311 Röhrenmeßgerät erreichte das Museum in wenig ansehnlichem Zustand (siehe Foto oben), aber - man kauft da die Katze im Sack - innen vollständig und prinzipiell funktional.
Seines Alters, Seltenheitswertes und der guten elektonischen Funktionalität wegen setzte sich die Idee eines "Wieder-Ansehnlich-Machens" durch - die Bearbeitung und Restaurierung der Frontplatte wurde zu einem dann doch langen Weg:

  - Ausbau der Frontplatte durch Ablöten aller Fassungen und Bedienelemente, parallel Dokumentation des Lötplans und Lösen des Chassis und des Rahmens; alle Fassungen entlöten
  - Ablaugen und Entfernen des Altlacks und der darunter befindlichen Grundierung auf Frontplatte und Rahmen
  - Reinigen und Schleifen der Frontplatte mit Papier unterschiedlicher Korngrößen (180, 300), Verschließen aller Gewinde und der kleinen Öffnungen ( 87 allein für die Drucktaster)
  - Grundierung auftragen, Anschleifen (600), abermals Grundieren und Schleifen (800)
  - Auftragen des Lacks (3 Teile  RAL7000 FEHGRAU, 1 Teil  RAL5024 PASTELLBLAU)  und  Schleifen (800), das  Ganze vier mal mit Abschluss Polieren ( 1000, 1200)
  - Auslegen der Gravuren auf Frontplatte (schwarz), Rahmen (rot) und Schildchen (weiß) mit speziellen Farbfüllstiften (eine verhältnismäßig zeit-aufwändige Kleinarbeit)
  - Anbau der Frontplatte und Einpassen des Drucktastenfelds sowie Justieren der Rahmenschließung mit zwei gekoppleten mechansichen Schaltern und Verschlussblende
  - Richten der Kabelbäume und teils neue Litzen, Einlöten der Fassungen; Zwischentests mit Leitungsprüfer (insgesamt zwei gute Abende)
  - Anbringen und Richten der Bedienelemente und Schildchen; neues Stromanschlusskabel, Einbau eines primärseitigen Vorwiderstand (230V -> 220 V) und Richten der Erdung
  - Abschlusstest nach VDE 0100

Ein paar Bilder von diesem Weg (brutto 60 Arbeitsstunden)
 


Ausbau



Abbeizen, anschließend Reinigen und Schleifen


Grundierung und Schliff (zweimal)



Lackierung und Schliff, Polieren  (viermal)



Auslegen der Gravuren


Einbau der Fassungen und Bedienelemente
 

Die Bauelemente im Röhrenmeßgerät 3 K 311b stammen allesamt aus dem Hause SIEMENS: Transformatoren, Widerstände, Kabel, Kondensatoren, Röhrenfassungen, das Anzeigeinstrument, Taster und Schalter.
Bemerkenswert sind die Halbleiderdioden im Messkreis für die Steilheitsmessung (1949!). Für die Ertüchtigung der Funktion wurden die Röhren und zwei sehr kratzige Potentiometer erneuert. Da das Messwerk einen systematischen Fehler von + 10% hatte, war ein kleiner Nebenwiderstand notwendig, damit die Anzege nun wider passt. Da es sich ursprünglich um ein Messegrät mit 220V-Anschluss handelt, hilft ein primärseitig eingelegter Widerstand auch die entnehmbaren Heizspannungen wieder an ihren Nennwert zu bringen.



Abgleich des Anzeigeinstruments im Bereich 30 mA


Primärseitiger Vorwiderstand

Die (vergleichsweise kleine) Herausforderung ist das Erstellen der Karten: Voraussetzungen sind ein Schlüsselplan der Drucktaster, die Kenndaten der zu messenden Röhre und eine Prototypkarte z.B. in jpg-Format in einem Grafikprogramm (bei mir ein altes Adobe Photshop Version 6).  Nach dem Vermerken der auszustanzenden Löcher in der Grafik habe ich mir die Datei auf 300gr-Papier ausdrucken lassen und die Löcher mit einem Locheisen ausgestanzt (7,5 mm und 4 mm). Nach drei Karten hat man den Dreh raus.
 

 
SIEMENS Röhrenmeßgerät 3 K 311b, Messung einer SIEMENS F2a-Röhre.

Das Bild oben zeigt das Ausmessen einer SIEMENS F2a-Röhre (die SIEMENS F2a hat als Endröhre in Verstärkern bei manch Audiophilem eine kleine Renaissance auslöst).
Der mitgelieferte erste Kartensatz enthielt 50 Karten (für Weitverkehrs- Poströhren). Es standen in späteren Versionen auch Karten und Adapter für weitere, aus US-Typen zur Verfügung.

Kennwerte:

Messbereiche für
Anoden-, Schirmgitter- und Diodenstrom: 1, 3, 10, 30 100 mA
Steilheit: 1, 3, 10, 30 mA/ V
Röhren:  EZ12, EL12, EF12, EZ11
Abmessungen: 480 x 350 x 310 mm
Gewicht: 24 kg
Preis: 1695 DM (1949)

  
 
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